In Genf zahlt ein schweres Elektroauto mehr Steuer als ein vergleichbarer Verbrenner

Von A. Sfez · 20. September 2026

Der Genfer Grosse Rat hat am 3. September 2026 eine Motion angenommen, die den Staatsrat auffordert, das seit Januar 2025 geltende Gesetz über die Motorfahrzeugsteuer zu überarbeiten. Alle Parteien ausser der FDP stimmten zu, und Staatsrat Pierre Maudet sagte einen Gesetzesentwurf bis Ende Jahr zu. Dieselbe Steuer ist seit Juli Gegenstand eines zweiten Rekurses vor der Verwaltungskammer des Kantonsgerichts: Die Halterin eines vollelektrischen Audi Q6 e-tron ficht eine Jahressteuer von CHF 1’320 an, davon CHF 1’200 allein wegen des Fahrzeuggewichts, während ein vergleichbarer, sogar schwererer Audi mit Verbrennungsmotor laut Rekurs mit CHF 206.50 besteuert wird. Das Verwaltungsgericht erster Instanz hatte sie im Juni abgewiesen: Der Vergleich zweier Antriebsarten sei nicht massgebend, weil ihre Besteuerung unterschiedlich funktioniere.

Zwei Tarife, die sich nie begegnen

Seit 2025 besteuert Genf Benzin- und Hybridfahrzeuge nach ihrem CO2-Ausstoss: ein Grundbetrag von CHF 120, dann ein Zuschlag pro Gramm CO2 je Kilometer in acht Stufen von 25 Rappen bis 12 Franken. Elektrofahrzeuge unterliegen einem anderen Tarif: derselbe Grundbetrag, dann ein Zuschlag nach Leergewichtsklasse. Nichts bis 1’400 kg, CHF 50 zwischen 1’401 und 1’650 kg, und so weiter bis CHF 1’400 über 2’600 kg. Zwischen 2’400 und 2’401 kg springt der Zuschlag von CHF 800 auf CHF 1’100: Ein einziges Kilo wechselt die Klasse. Beide Tarife wurden getrennt entworfen, mit der einzigen Absicht, leichte Elektroautos zu begünstigen. Das Gesetz vergleicht ein Elektroauto nie mit einem Verbrenner gleicher Grösse, und genau diese Lücke will der Rekurs schliessen lassen.

Die Wirkung in Franken

Der amtliche Tarif erlaubt es, den Abstand zu messen. Ein Elektroauto mit 2’550 kg, die Grössenordnung eines grossen SUV mit grosser Batterie, zahlt CHF 1’320 im Jahr. In der gestuften Lesart des Tarifs, die das Gericht im Juni zugrunde legte, erreicht ein Verbrenner diesen Betrag erst ab 332 g/km, ein Wert, den nur ältere Modelle mit sehr grossem Hubraum überschreiten. Selbst mit der beanstandeten Methode des kantonalen Amts, die den höchsten Satz auf sämtliche Gramm anwendet, braucht es 251 g/km, um mit dem Elektroauto gleichzuziehen. Weiter unten im Tarif bleibt der Abstand deutlich: Ein Kompaktwagen mit Verbrenner und 130 g/km zahlt CHF 157.50, eine elektrische Kompaktlimousine mit 1’800 kg zahlt CHF 320, das Doppelte, und ein elektrischer Familien-SUV mit 2’000 kg zahlt CHF 520, so viel wie ein Verbrenner mit 245 g/km. Über 48 Monate Leasing beträgt der Abstand zwischen dem elektrischen Audi des Rekurses und dem darin genannten Verbrenner CHF 4’454, also CHF 93 im Monat: ein Posten, den weder die Monatsrate noch der Zinssatz zeigen.

Das Leasing steht in der ersten Reihe

Die im Dezember 2024 beschlossene Übergangsregel, die die Steuer von 2025 bis 2027 auf das Doppelte der Steuer 2024 begrenzt, schützt nur Fahrzeuge, die schon vor der Reform eingelöst waren. Ein Neuwagen, der seit Januar 2025 geleast wird, zahlt vom ersten Jahr an den vollen Tarif, und ein Teil der massvollen Rechnungen für Verbrenner in Genf geht auf diese Deckelung zurück, nicht auf den Tarif selbst. Das Profil des geleasten Elektroautos ist genau jenes, das der Tarif bestraft: neu, also ohne Deckelung, und schwer, weil die Batterie eines SUV allein mehrere hundert Kilo wiegt. Ein Unterschied von 100 kg zwischen zwei Versionen desselben Modells, eine grössere Batterie oder ein Allradantrieb, kann eine Klasse überschreiten und CHF 300 mehr im Jahr kosten. Massgebend ist das Leergewicht im Fahrzeugausweis, nicht die Zahl im Prospekt.

Eine angekündigte Revision, noch keine beschlossene

Die Motion vom 3. September zielt auf drei Punkte: Schwelleneffekte glätten, die Besteuerung der Hybride überdenken und die Übergangsregel um ein Jahr verlängern. Zum Gewichtstarif der Elektroautos sagt sie nichts. Der Staatsrat, der selbst gegen die beiden für Verbrenner günstigen Urteile vom Juni Rekurs eingelegt hat, beruft sich auf die Gewaltenteilung und verspricht einen Gesetzesentwurf bis Ende Jahr. Bis dahin sind zwei Verfahren vor derselben Verwaltungskammer hängig, zur selben Steuer, und der Tarif gilt unverändert. Auch ein Urteil zugunsten der Rekurrentin würde keine automatische Neuberechnung auslösen: Jede Rechnung ist innert 30 Tagen nach Zustellung anzufechten, danach wird sie rechtskräftig.

Die Prüfung vor der Unterschrift

Vor einem Elektro-Leasing in Genf drei Schritte. Das Leergewicht der genauen Version im Typenschein oder Fahrzeugausweis nachlesen und im Tarif einordnen: Eine Klasse tiefer ist bis zu CHF 300 im Jahr wert. Bei gleicher Monatsrate mit einer leichteren Version oder einem sparsamen Verbrenner vergleichen, wobei die Steuer in die Gesamtkostenrechnung gehört, statt mit null angesetzt zu werden. Wer zwischen zwei Wohnkantonen schwankt, behält im Blick, dass andere Kantone Elektroautos weiterhin einen Teilrabatt oder eine Befreiung gewähren: Der Ratgeber zur Motorfahrzeugsteuer ordnet jeden Kanton ein.

Quellen
Ein elektrischer Audi zahlt mehr Steuern als ein Verbrenner (Rekurs vom Juli 2026): 20 minutes (auf Französisch).Ein neuer Rekurs stellt die Autosteuer infrage, die ihr Umweltziel verfehle: Le Temps (auf Französisch).Der Genfer Grosse Rat verlangt eine Revision der Autosteuer (Motion vom 03.09.2026): La Télé (auf Französisch).Tarif der Motorfahrzeugsteuer ab 2025, Verbrenner und Elektro: amtliche Seite des Kantons Genf (auf Französisch).Die Genfer Abgeordneten begrenzen den Anstieg der Autosteuer bis 2027 (Übergangsgesetz vom 13.12.2024): RTS (auf Französisch).
Das Thema im DetailElektro oder Benzin: das Duell der Gesamtkosten

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