Von A. Sfez · 22. August 2026
Am 1. Juli 2026 veröffentlichte auto-schweiz die Halbjahresbilanz: 116 584 neue Personenwagen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein, ein Plus von 3,0 % gegenüber dem Vorjahr. Steckerfahrzeuge machen 36,3 % davon aus, im Juni allein sogar 40,0 %. Rein elektrische Fahrzeuge legen um 20,2 % auf 27 889 Einheiten zu, Plug-in-Hybride um 24,7 % auf 14 456 Einheiten. Die im Januar und Februar aufgekommene Erzählung von einem rückläufigen Elektromarkt und einem einbrechenden Tesla hält der Betrachtung über sechs Monate nicht stand.
Der Januar hatte mit 20,9 % Elektroanteil einen Rekord aufgestellt, bevor ein Rückgang im Februar die Schlagzeilen über einen erlahmenden Markt nach dem Ende der Kaufförderung nährte. Der Mechanismus ist real: Eine Änderung bei den Subventionen verschiebt Bestellungen von einem Monat zum anderen und staut Lieferungen bei den Händlern, was monatliche Ausschläge erzeugt, die über das Halbjahr wenig aussagen. Die Julibilanz zeigt es deutlich: über sechs Monate summiert, zeigt die Kurve klar nach oben, und der Juni übertrifft sogar den Rekord vom Januar.
Tesla macht diesen Unterschied besser sichtbar als jeder andere Hersteller. Die Marke verkauft im Halbjahr 3206 Fahrzeuge in der Schweiz, ein Marktanteil von 2,8 %, leicht mehr als vor Jahresfrist, aber weit von den 4,3 % vor zwei Jahren entfernt. Dieser Rückgang bedeutet keine Abkehr von der Elektromobilität: BYD holt mit 2719 Einheiten einen Grossteil des Abstands auf, ohne Tesla zu überholen, und das Model Y bleibt das meistverkaufte Auto der Schweiz, über alle Antriebe hinweg. Der Elektromarkt gewinnt Anteile; es ist Teslas Anteil an diesem Markt, der zugunsten breiterer Konkurrenz zurückgeht.
Der praktische Punkt ist nicht, in der Debatte um Marktanteile Partei zu ergreifen, sondern die Finanzierungsentscheidung an Zahlen statt an Schlagzeilen zu binden. Ein breiteres, stärker zwischen Marken umkämpftes Elektroangebot drückt Einstiegspreise und Aktionszinsen nach unten, ein Kräfteverhältnis, das jenen nützt, die jetzt verhandeln. Der Occasionsmarkt für Elektrofahrzeuge wächst im gleichen Mass, ein Punkt, den es vor der Unterschrift eines Leasingvertrags zu prüfen gilt, dessen Restwert einen langsamen Wertverlust unterstellt: Je grösser das Angebot an gebrauchten Elektrofahrzeugen wird, desto mehr steht der tatsächliche Wiederverkaufswert am Ende der Laufzeit unter diesem Konkurrenzdruck.
Auto-schweiz-Direktor Thomas Rücker weist darauf hin, dass inzwischen über 350 Elektromodelle in allen Preissegmenten angeboten werden, ohne dass dies die Mehrheit der Neuwagenkäufer bereits überzeugt hätte: Die Auswahl ist da, das Zögern liegt woanders, meist in derselben Gesamtkostenrechnung, die Januar und Februar verwischt hatten.
Für einen elektrischen Kompaktwagen zu CHF 45’000 gegenüber einem Benziner zu CHF 38’000 kostet die Energie über 48 Monate 4.90 Franken auf 100 km elektrisch, gegenüber 11.83 Franken beim Benziner. Die Kilometerschwelle, ab der das Elektroauto insgesamt günstiger wird, liegt bei 16’000 km pro Jahr: darunter amortisiert sich der höhere Anschaffungspreis (18 %) noch nicht, darüber schon. Diese Schwelle hängt von keinem Marktanteil ab: Sie gilt, solange sich die Preise und Energietarife des Modells auf der Seite Methode nicht ändern, unabhängig vom Getöse um Tesla oder BYD.